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2011

CityVille: Schiffe auf den Straßen und die verzweifelte (?) Suche nach Freunden

100 Millionen Spieler[1], miteinander gegeneinander spielen und dazu auch noch die Gewissheit, dass es eigentlich nie enden wird: CityVille.

Seit dem 2. Dezember 2010[2] kann man sich gegenseitig in den virtuellen Städten besuchen, Touristen vorbeischicken und sich natürlich mittels Klicks auf Anfragen bei Aufträgen helfen. Der Wettbewerb bleibt dabei erhalten, schließlich kann man sowohl das Level der eigenen Stadt in die Höhe treiben wie auch durch die Hilfe bei Nachbarn »Herzen sammeln«, welche ebenfalls angezeigt und somit der eigene Status stets mit den virtuellen Nachbarn verglichen werden kann.

Wie schon bei FarmVille zielt das Spiel aus Sicht der Betreiber darauf ab, dass man sich durch Käufe mit echtem Geld Vorteile gegenüber seinen »Mitbewerbern« verschafft. Das Spiel wird somit für all jene zur »Geldfalle«, wenn sie anstatt der CityVille-Währung ihr sauerverdientes Geld in den nie endenden Ausbau der virtuellen Stadt stecken.

Damit möglichst viele Freunde und Bekannte zum Mitmachen animiert werden sind bei CityVille im Vergleich zu FarmVille ganz klar Aufgaben integriert, welche ohne viele aktiv mitwirkende Freunde und Bekannte nicht gelöst werden können. Wer im Spiel weiterkommen will beginnt also früher oder später mehr oder weniger penetrant seine Facebook-Freunde damit zu nerven bei CityVille mitzuwirken.

Das erhöht natürlich die Chance für den Betreiber/Eigentümer »Zynga«, dass sich darunter auch zu Zahlungen in echtem Geld bereite Menschen befinden.

Wem der eigene Freundeskreis nicht mehr ausreicht geht unter Umständen sogar noch einen Schritt weiter: Er sucht jenseits von Facebook neue »Freunde« damit er mit diesen bei Facebook seine virtuelle Stadt in CityVille weiter ausbauen kann:

Das neue BrowserGame CityVille von Zynga ist gerade einmal zwei Wochen alt und bereits in den Top15 der Anwendungen mit den meisten Usern. Dieses mal geht’s vom Landleben in die Stadt, wo die Scheune gegen ein Franchise-Unternehmen eingetauscht wird. Hinterlasse doch einfach unten Deinen Namen oder den vollständigen Link zu Deinem Facebook-Profil und vergiss nicht, auf “Gefällr mir” zu klicken.

Dieser zitierte Blogbeitrag[3] stammt vom 12. Dezember 2010, also gerade mal 10 Tage nach dem Start von CityVille. Wie gut diese Werbung funktioniert zeigt die fast endlose Anzahl von Einträgen. Auch heute sucht wieder jemand neue Freunde bei Facebook um bei CityVille weiterzukommen: »Izmirim Güzel Izmirim« hat gestern um 22:43 Uhr den Link zu seinem Facebook-Profil hinterlassen.

[...] Nach fünf Tagen hat der neue Facebook-Hype bereits über 750.000 User. [...]

Der Beitrag auf winload.de[4] macht deutlich wie schnell sich bei Facebook solche »sozialen Spiele« verbreiten beziehungsweise wie schnell sie von den Nutzern angenommen werden.

Ich spiele es inzwischen auch. Damit habe ich vor einigen Wochen angefangen und man kommt anfangs sehr schnell weiter, doch irgendwann kommt man mangels genügend virtueller Nachbarn ins stocken. Daher hatte ich wohl auch im Januar und Februar unglaublich viele »spiel' doch bitte auch CityVille«-Anfragen bei Facebook.

Da man bekanntlich nicht über etwas schreiben sollte ohne sich zuvor ausgiebig eine Meinung gebildet zu haben ist meine virtuelle Stadt inzwischen auf Level 62, ich kann die Telefongesellschaft nicht ausbauen weil mir meine bisherigen Nachbarn nicht die »richtigen Teile schenken« und ganz nebenbei habe ich einen Bug und immer wieder fährt ein Kreuzfahrtschiff auf einer Straße der Stadt herum.

CityVille: Schiffe auf den Straßen

Wenn ich mir meine »Spieleanfragen« bei Facebook so anschaue wird mir klar warum es auch Gruppen wie »Nein, ich möchte NICHT dein Nachbar bei Cityville, Mafiawars oder Frontierville werden!!!« gibt – welche dann ihrerseits wieder beworben werden.

Doch noch einmal zurück zu den freiwilligen CityVille, FarmVille und sonstwas-Ville Spielerinnen und Spielern. Scheinbar ist der Spaß so groß und Zynga/Facebook sind als Betreiber beziehungsweise Plattform weiterhin vertrauenswürdig genug. Von den ungerechtfertigten Abbuchungen über PayPal oder die Datensammelwut scheinen sich Millionen von Nutzern jedenfalls keine Gedanken mehr zu machen?

[...] Die virtuellen Welten bringen den Betreibern durchaus reales Geld. Bei "Farmville" zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß "Erfahrungspunkte" sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, denn sonst gehen sie ein. Begehrte Elemente wie ein Haus kriegt man schneller, wenn man um echtes Geld sein Farmville-Konto auffüllt, per Kreditkarte oder über den Bezahldienst Paypal.

[...]

Die 25-jährige Münchnerin Anna Tschochner war anfangs eine fleißige Farmerin. Viele ihrer Facebook-Freunde machten mit, durch die ständig nötigen Aktivitäten und Statusmeldungen war das Spiel immer auf der Facebook-Startseite präsent. Dann buchte Zynga von ihrem Paypal-Konto dreimal Geld ab, obwohl sie nie ihre Zustimmung dazu gegeben hatte. Vielleicht ein Versehen. Zynga äußerte sich dazu nicht. Tschochner hat nun ihre Facebook-Freunde vor dem Spiel gewarnt. Ihr Geld hat die junge Frau zwar wiederbekommen, die Lust an Farmville ist ihr jedoch gründlich vergangen.

Vermutlich werden solche negativen Meldungen wie die eben Zitierte vom 01.02.2010[5] beziehungsweise solche Warnungen so schnell aus dem eigenen Hirn ausgeblendet wie die Anfragen nach Glasfaserleitungen, Telefonen und Haltestellen für den virtuellen Zug aus CityVille die Profilseiten von so manchem Benutzer füllen...

Ich werde mich jedenfalls hüten irgendwo bei Facebook die Informationen zu meinem PayPal-Account einzutragen. Das ist ja noch nicht mal bei eBay passiert.

X_FISH



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