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Eingelagerte Grafikkarten

Bei manchen wird Marmelade eingeweckt, ich lagere Grafikkarten für schlechte Zeiten beziehungsweise die spätere Nutzung ein. Schließlich kann man zum Testen von einem System eine PCI- oder AGP-Grafikkarte immer wieder mal gebrauchen.

Zwei dieser Karten haben heute ihr dunkles Lager in Form von Antistatik-Hülle und Kunststoffkiste verlassen dürfen: Eine PCI-Grafikkarte mit S3-Virge-Chip und eine Matrox G450 DH (»dual head«) mit 16 MB VRAM mit AGP-Schnittstelle.

PCI-Grafikkarte mit S3-Virge-Chipsatz

Passiv gekühlt kommt sie daher – ohne jeglichen Kühlkörper. Schaut man sich die rein für die Wärmeabfuhr notwendigen Kühlkonstruktionen aktueller Grafikkarten, so wirkt die mit S3-Virge bestückte Karte niedlich und vor allem kompakt.

Mit 2 Megabyte Speicher waren Karten mit »S3-Virge« im September 1997 für 99 DM erhältlich, mit doppelt so großem Arbeitsspeicher für 179 DM. Bestückt mit »S3-Virge/DX« wie die Grafikkarte auf dem Bild waren die 179 DM für die Variante mit 2 Megabyte fällig, mit 4 Megabyte kostete sie 219 DM.

PCI-Grafikkarte mit S3-Virge-Chipsatz

Wie damals üblich war sie für den PCI-Slot ausgeführt. Die AGP-Schnittstelle sollte sich erst im Laufe von 1998 durchsetzen. Notwendig war damals ein Board mit i440LX-Chipsatz, welches für den Pentium II schon 1997 erhältlich, aber bei Prozessorpreisen von über 1'000 DM für einen Pentium II 233 noch nicht für Privatanwender erschwinglich war.

PCI-Grafikkarte mit S3-Virge-Chipsatz

Daher griff man noch schön in das Regal mit den PCI-Grafikkarten. Unabhängig davon ob man irgendwann auf einen Pentium II aufrüsten wollte oder nicht.

Einige Jahre später ist AGP der Standard schlechthin und man greift auf PCI-Grafikkarten eigentlich nur noch dann zurück wenn man noch eine herumliegen hat, der AGP-Slot defekt ist oder das System keine superschnelle Grafikkarte benötigt.

Matrox G450 DH 16 MB VRAM

Keine superschnelle aber eine superleise Grafikkarte wollte ich irgendwann in meinem Arbeitsrechner haben. Die Wahl fiel auf eine Matrox G450 aufgrund der passiven Kühlung, der seinerzeit hoch gelobten Leistung im Bezug auf das Ausgangssignal und ganz nebenbei wegen dem zweiten Monitorausgang der »dual head«-G450.

Matrox G450 DH 16 MB VRAM

Die Karte war verhältnismäßig günstig da ich sie gebraucht über ein Online-Auktionshaus erworben habe. Gezahlt habe ich dafür etwa 25 Euro, denn kaum jemand wollte eine solche Karte haben. Warum? Na, weil sich kein Computerspiel damit wirklich flott spielen lässt. Mal von Spieleklassikern aus den 1990er Jahren abgesehen.

AGP-Schnittstelle der Matrox G450 DH 16 MB VRAM

Vom Aluminiumkühlkörper führt ein Kabel auf die Platine. Dieser Anschluss ist für den verbauten Temperaturgeber. Dieser ist nicht wie bei modernen Chips integriert sondern war eben am Kühlkörper befestigt. Dies mag aus heutiger Sicht ein wenig seltsam anmuten, aber damals war es eben nicht üblich sämtliche Werte per internen Sensoren zu ermitteln und über offengelegte Schnittstellen beziehungsweise etablierte Protokolle für die Diagnose zur Verfügung zu stellen.

Temperaturfühler der Matrox G450 DH 16 MB VRAM

Hergestellt wurde meine G450 im kostengünstigen China. Die Kanadier fallen in den letzten Jahren eigentlich kaum noch auf. Die Schlagzeilen beschäftigen sich eben mit den Modellen für Computerspieler, nicht mit den Modellen für hochwertige Arbeitsgrafikkarten.

Typenaufkleber der Matrox G450 DH 16 MB VRAM

Die Matrox G450 DH gibt es übrigens auch heute noch neu zu kaufen. Für etwa 75 Euro kann man sie als PCI-Variante mit 32 MB und zwei Ausgängen (VGA und DVI) erwerben. Die Variante mit 2x VGA und AGP wie ich sie besitze geht für etwa 80 Euro über den virtuellen Tresen von Onlineanbietern.

Da sie schon so lange auf dem Markt ist sind auch noch interessante Käuferbewertungen aus den Jahren 2002 und 2003 zu finden. Mal wird sie hoch gelobt da die Ausgabe auf dem 17" Röhrenmonitor so brilliant sei, mal wird sie mit einer GeForce 2 verglichen und natürlich prompt als »viel zu langsam und zu teuer« bewertet. Gut, man vergleich ja auch keine 2D-Arbeitsgrafikkarte mit einer Spielegrafikkarte. Das wäre ja als würde man einen Traktor mit einem Sportwagen vergleichen und dann bemängeln, dass der Traktor zu langsam ist – oder das der Sportwagen immer im Dreck stecken bleibt?

Was kostete früher ein Prozessor?

Erst September 1997 und schon Millenniums-Panik: Der »Y2K-Bug« wirft seine Schatten voraus. Passiert ist bekanntlich erstaunlich wenig, aber die PC-Gemeinde war in Aufruhr.

PC Magazin DOS 09/98

Die damaligen Preise für die S3-Virge und die aktuellen für die Matrox G450 habe ich ja bereits oben im Text aufgeführt. Da bleibt nur noch der Blick auf die Prozessoren, deren Liste sich mal wieder ein wenig verlängert hat:

CPUs
RAM
AMD 5K86 133 MHz 179,00 DM
SIMM 30-pin 1 MB 16,00 DM
AMD 5k86 166 MHz 209,00 DM
SIMM 30-pin 4 MB 49,00 DM
AMD K6 166 MHz 389,00 DM
PS/2 72-pin* 4 MB 44,00 DM
AMD K6 200 MHz 469,00 DM
PS/2 72-pin* 8 MB 64,00 DM
Cyrix 166+ 133 MHz 159,00 DM
PS/2 72-pin* 16 MB 119,00 DM
Cyrix 200+ 150 MHz 219,00 DM
PS/2 72-pin* 32 MB 234,00 DM
Intel Pentium 120 MHz 199,00 DM
DIMM 168-pin 16 MB 159,00 DM
Intel Pentium 133 MHz 219,00 DM
DIMM 168-pin 32 MB 289,00 DM
Intel Pentium 150 MHz 239,00 DM
Intel Pentium 166 MHz 259,00 DM
*) Standard- und EDO-Module haben den gleichen Stückpreis
Intel Pentium 200 MHz 289,00 DM
Intel Pentium MMX 166 MHz 349,00 DM
Intel Pentium MMX
200 MHz
589,00 DM
Intel Pentium MMX 233 MHz 889,00 DM
Intel Pentium Pro 256 kB 180 MHz 799,00 DM
Intel Pentium Pro 256 kB 200 MHz 1049,00 DM
Intel Pentium II
233 MHz
1229,00 DM
Intel Pentium II
266 MHz
1529,00 DM

Quelle: Anzeige von Alternate (Linden) in PC Magazin DOS 09/97
Intel Pentium II 300 MHz 1929,00 DM

Morgen gibt es ausnahmsweise mal keine Hardware zu bestaunen. Sondern einen Blick auf und in eines der wenigen Computerspielemagazine, welche ich mir gekauft habe.

Es wirkt schon unfreiwillig komisch war dort als »Spitzengrafik« angepriesen wurde...

X_FISH


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