10.
Juni
2011
Bei manchen wird Marmelade eingeweckt, ich lagere
Grafikkarten für schlechte Zeiten beziehungsweise die
spätere Nutzung ein. Schließlich kann man zum Testen von
einem System eine PCI- oder AGP-Grafikkarte immer wieder
mal gebrauchen. ![]()
Zwei dieser Karten haben heute ihr dunkles Lager in Form
von Antistatik-Hülle und Kunststoffkiste verlassen
dürfen: Eine PCI-Grafikkarte mit S3-Virge-Chip und eine
Matrox G450 DH (»dual head«) mit 16 MB VRAM mit
AGP-Schnittstelle.
Passiv gekühlt kommt sie daher – ohne jeglichen
Kühlkörper. Schaut man sich die rein für die Wärmeabfuhr
notwendigen Kühlkonstruktionen aktueller Grafikkarten, so
wirkt die mit S3-Virge bestückte Karte niedlich und vor
allem kompakt.
Mit 2 Megabyte Speicher waren Karten mit »S3-Virge« im
September 1997 für 99 DM erhältlich, mit doppelt so
großem Arbeitsspeicher für 179 DM. Bestückt mit
»S3-Virge/DX« wie die Grafikkarte auf dem Bild waren die
179 DM für die Variante mit 2 Megabyte fällig, mit 4
Megabyte kostete sie 219 DM.
Wie damals üblich war sie für den PCI-Slot ausgeführt. Die AGP-Schnittstelle sollte sich erst im Laufe von 1998 durchsetzen. Notwendig war damals ein Board mit i440LX-Chipsatz, welches für den Pentium II schon 1997 erhältlich, aber bei Prozessorpreisen von über 1'000 DM für einen Pentium II 233 noch nicht für Privatanwender erschwinglich war.
Daher griff man noch schön in das Regal mit den
PCI-Grafikkarten. Unabhängig davon ob man irgendwann auf
einen Pentium II aufrüsten wollte oder nicht.
Einige Jahre später ist AGP der Standard schlechthin und
man greift auf PCI-Grafikkarten eigentlich nur noch dann
zurück wenn man noch eine herumliegen hat, der AGP-Slot
defekt ist oder das System keine superschnelle
Grafikkarte benötigt.
Keine superschnelle aber eine superleise Grafikkarte wollte ich irgendwann in meinem Arbeitsrechner haben. Die Wahl fiel auf eine Matrox G450 aufgrund der passiven Kühlung, der seinerzeit hoch gelobten Leistung im Bezug auf das Ausgangssignal und ganz nebenbei wegen dem zweiten Monitorausgang der »dual head«-G450.
Die Karte war verhältnismäßig günstig da ich sie
gebraucht über ein Online-Auktionshaus erworben habe.
Gezahlt habe ich dafür etwa 25 Euro, denn kaum jemand
wollte eine solche Karte haben. Warum? Na, weil sich kein
Computerspiel damit wirklich flott spielen lässt. Mal von
Spieleklassikern aus den 1990er Jahren abgesehen.
Vom Aluminiumkühlkörper führt ein Kabel auf die Platine. Dieser Anschluss ist für den verbauten Temperaturgeber. Dieser ist nicht wie bei modernen Chips integriert sondern war eben am Kühlkörper befestigt. Dies mag aus heutiger Sicht ein wenig seltsam anmuten, aber damals war es eben nicht üblich sämtliche Werte per internen Sensoren zu ermitteln und über offengelegte Schnittstellen beziehungsweise etablierte Protokolle für die Diagnose zur Verfügung zu stellen.
Hergestellt wurde meine G450 im kostengünstigen China. Die Kanadier fallen in den letzten Jahren eigentlich kaum noch auf. Die Schlagzeilen beschäftigen sich eben mit den Modellen für Computerspieler, nicht mit den Modellen für hochwertige Arbeitsgrafikkarten.
Die Matrox G450 DH gibt es übrigens auch heute noch neu
zu kaufen. Für etwa 75 Euro kann man sie als PCI-Variante
mit 32 MB und zwei Ausgängen (VGA und DVI) erwerben. Die
Variante mit 2x VGA und AGP wie ich sie besitze geht für
etwa 80 Euro über den virtuellen Tresen von
Onlineanbietern.
Da sie schon so lange auf dem Markt ist sind auch noch
interessante Käuferbewertungen aus den Jahren 2002 und
2003 zu finden. Mal wird sie hoch gelobt da die Ausgabe
auf dem 17" Röhrenmonitor so brilliant sei, mal wird
sie mit einer GeForce 2 verglichen und natürlich prompt
als »viel zu langsam und zu teuer« bewertet. Gut, man
vergleich ja auch keine 2D-Arbeitsgrafikkarte mit einer
Spielegrafikkarte. Das wäre ja als würde man einen
Traktor mit einem Sportwagen vergleichen und dann
bemängeln, dass der Traktor zu langsam ist – oder das
der Sportwagen immer im Dreck stecken bleibt?
Erst September 1997 und schon Millenniums-Panik: Der »Y2K-Bug« wirft seine Schatten voraus. Passiert ist bekanntlich erstaunlich wenig, aber die PC-Gemeinde war in Aufruhr.
Die damaligen Preise für die S3-Virge und die aktuellen für die Matrox G450 habe ich ja bereits oben im Text aufgeführt. Da bleibt nur noch der Blick auf die Prozessoren, deren Liste sich mal wieder ein wenig verlängert hat:
| CPUs |
|
RAM | |||||
| AMD 5K86 | 133 MHz | 179,00 DM |
|
SIMM 30-pin | 1 MB | 16,00 DM | |
| AMD 5k86 | 166 MHz | 209,00 DM |
|
SIMM 30-pin | 4 MB | 49,00 DM | |
| AMD K6 | 166 MHz | 389,00 DM |
|
PS/2 72-pin* | 4 MB | 44,00 DM | |
| AMD K6 | 200 MHz | 469,00 DM |
|
PS/2 72-pin* | 8 MB | 64,00 DM | |
| Cyrix 166+ | 133 MHz | 159,00 DM |
|
PS/2 72-pin* | 16 MB | 119,00 DM | |
| Cyrix 200+ | 150 MHz | 219,00 DM |
|
PS/2 72-pin* | 32 MB | 234,00 DM | |
| Intel Pentium | 120 MHz | 199,00 DM |
|
DIMM 168-pin | 16 MB | 159,00 DM | |
| Intel Pentium | 133 MHz | 219,00 DM |
|
DIMM 168-pin | 32 MB | 289,00 DM | |
| Intel Pentium | 150 MHz | 239,00 DM | |||||
| Intel Pentium | 166 MHz | 259,00 DM |
|
*) Standard- und EDO-Module haben den gleichen Stückpreis | |||
| Intel Pentium | 200 MHz | 289,00 DM | |||||
| Intel Pentium MMX | 166 MHz |
349,00 DM |
|||||
|
Intel Pentium MMX |
200 MHz |
589,00 DM |
|||||
| Intel Pentium MMX | 233 MHz | 889,00 DM | |||||
| Intel Pentium Pro 256 kB | 180 MHz | 799,00 DM | |||||
| Intel Pentium Pro 256 kB | 200 MHz | 1049,00 DM | |||||
|
Intel Pentium II |
233 MHz |
1229,00 DM |
|||||
|
Intel Pentium II |
266 MHz |
1529,00 DM |
|
Quelle: Anzeige von Alternate (Linden) in PC Magazin DOS 09/97 | |||
| Intel Pentium II | 300 MHz | 1929,00 DM | |||||
Morgen gibt es ausnahmsweise mal keine Hardware zu
bestaunen. Sondern einen Blick auf und in eines der
wenigen Computerspielemagazine, welche ich mir gekauft
habe.
Es wirkt schon unfreiwillig komisch war dort als
»Spitzengrafik« angepriesen wurde... ![]()
X_FISH